Rückkehr des fränkischen Gartenkoalas - Kunstaktion und Installation

Prämierung bei der Ausschreibung Gartenzeichen Kitzinger Land 2018
Auftraggeber: Landkreis Kitzingen

Kunstaktion und Installation im öffentlichen Raum auf dem Gartenschaugelände Kitzingen.

Fast 200 Jahre galten sie als ausgestorben. Vor kurzem wurde in der Nähe von Kitzingen der Beweis erbracht: Sie sind wieder da! Die Fotofalle zeigte eindeutig einen Vertreter des fränkischen Gartenkoalas. Es käme einer kleinen Sensation gleich, wenn die possierlichen Tiere sich nach so langer Zeit wieder in der Region ansiedeln würden. Ursprünglich im 18. Jahrhundert eingeführt waren die Nutztiere Jahrzehnte lang elementarer Bestandteil im Alltag lokaler Bauern und Gärtner. Der Verband der Koalafreunde Unterfranken setzt nun alles daran, den Tieren zu helfen wieder in ihre alte Heimat zurückkehren zu können. Im ersten Schritt werden an ausgewählten Orten Nistkästen, Beobachtungsplätze und Informationen rund um den Gartenkoala installiert.

Aufnahme der Fotofalle (Quelle: Koalafreunde Unterfranken)

Ausschreibung Gartenzeichen Kitzinger Land 2018

Das Themenjahr GARTENZEICHEN widmet sich der reichen Gartenkultur des Kitzinger Landes und hat zum Ziel, diese Landschaft mit kulturell hochwertigen und zeitgemäßen Bespielungen zu erschließen und sie für Besucher aus nah und fern erlebbar zu machen.

Ein wichtiger Bestandteil der Kulturzeichen ist traditionell die Einbindung von Programmen der Kulturakteure der Region. Für die Gartenzeichen wurden für das Jahr 2018 Veranstaltungen bzw. Programmpunkte gesucht, die sich mit dem Thema Garten inhaltlich bzw. künstlerisch auseinandersetzen und sich in einem Park oder Garten abspielen. Die Kunstaktion „Rückkehr des fränkischen Gartenkoalas“ wurde von der Jury prämiert und wird als Programmbeitrag umgesetzt. Die Installation kann im Zeitraum von Juni bis August 2018 auf dem Gartenschaugelände Kitzingen besucht werden.
Der Landkreis Kitzingen präsentiert seit 2015 die Veranstaltungsreihe KULTURZEICHEN KITZINGER LAND, deren Konzept im Rahmen eines Ideenwettbewerbs ausgezeichnet wurde. Ziel ist es, die kulturhistorischen und räumlichen Eigenheiten der Region mit Mitteln der zeitgenössischen Kunst sichtbar und erfahrbar zu machen, indem Künstler Zeichen hinterlassen, in Form von Kunst, Sprache und Tanz oder anderen künstlerisch-ästhetischen Ausdrucksformen.

Kitzinger Land - Kulturzeichen 2017

Presse

infranken.de
falter.kitzingen.info

Kontext

Seit den 80er Jahren wurden immer wieder von Förstern und Spaziergängern sporadisch Sichtungen von pelzigen Tieren gemeldet, die keiner der bekannten Tierarten zugeordnet werden konnten. Die Beobachtungen wurden jedoch nie ernst genommen und nicht weiter verfolgt.

Doch jetzt haben Naturschützer in Unterfranken ein unglaubliche Entdeckung gemacht. Mit Hilfe einer Fotofalle ist es ihnen gelungen zu beweisen, dass ein Tier, das seit langer Zeit als ausgestorben galt, offenbar doch noch in Unterfranken lebt. Das Foto, das im Wald zwischen Volkach und Kitzingen (Unterfranken) aufgenommen wurde, zeigt eindeutig einen Koalabären bei der Nahrungssuche. Ob das Tier nur auf der Durchreise in wärmere Gefilde war und ob es sich um ein Einzeltier oder ein ganzes Rudel handelt, ist noch unklar. Der Verband der Koalafreunde Unterfranken nimmt Stellung zu dieser kleinen Sensation. Das Foto zeigte eindeutig ein vermutlich weibliches Tier der Gattung des „gemeinen fränkischen Gartenkoalas“. Die Tiere waren vor langer Zeit hier in der Region heimisch, gelten aber bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts als ausgestorben.

Als sich nach der schweren Dürre von 1821 in Unterfranken die Schadpflanze Eukalyptus rasant verbreitete und vor allem Wein, Gemüse und Obsternte bedrohte, hatten Bauern und Gärtner in der Region kaum noch Hoffnung. Doch Philipp Franz Balthasar von Siebold, der neben seiner Forschung in Japan auch Australien bereiste, hatte die zündende Idee. Der australische Koalabär (wiss. „Phascolarctos cinereus“), bekannt durch seinen unstillbaren Appetit auf Eukalyptus, wurde kurzerhand nach Unterfranken verschifft und in Weinbergen, Äckern und Gärten ausgesetzt. Innerhalb kürzester Zeit hatten die hungrigen Tiere den Eukalyptus eingedämmt und auf den Flächen konnten wieder Nutzpflanzen angebaut werden. Die Menschen schätzten die Nähe der possierlichen Tierchen und begannen, sie als Haustiere zu halten. Neben der Unkrautbekämpfung entdeckte man auch noch weitere Vorzüge. Die Tiere waren hervorragende Kletterer und sehr gelehrig. Bald schon dressierten die Menschen die kleinen Bären zur Obsternte und für andere Hilfsarbeiten im Haushalt und Garten. Es entstanden neue Züchtungen, aus denen letztendlich auch die Gattung des „fränkischen Gartenkoalas“ entstanden ist. Der Gartenkoala unterscheidet sich von seinen australischen Vettern vor allem durch den etwas kleineren Kopf, einen aktiveren Charakter und die längeren Krallen, die beim Umgraben von Gartenbeeten hilfreich waren. Über mehrere Jahrzehnte erfreute man sich an der erfolgreichen Symbiose von Mensch und Tier. Bei der legendären Apfelernte von 1842 wurden, auch Dank der Mithilfe des Gartenkoalas, rekordverdächtige Erträge eingefahren. Mit den Klimaveränderungen der 1850er Jahre und den damit verbundenen sinkenden Temperaturen nahm der Eukalyptusbestand in Unterfranken stetig ab. So wurde es immer schwieriger, die Tiere zu ernähren. Versuche, die Tiere auf Zuckerrüben oder Weinlaub umzugewöhnen, scheiterten. Die Tiere wurden größtenteils ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.

Nur Texte und historische Zeichnungen erinnern heute noch an die Zeit, als der Gartenkoala zum alltäglichen Bild in Franken gehörte. Um so erstaunlicher ist es, dass dieses längst vergessene Tier offenbar doch nicht gänzlich aus der Region verschwunden ist. Der Verband der Koalafreunde Unterfranken setzt alles daran, die liebenswerten Tiere nun wieder heimisch zu machen. Neben der Öffentlichkeitsarbeit ist es in erster Linie wichtig, den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zum Nisten anzubieten. Deshalb werden Sponsoren und Helfer gesucht, die bei der Errichtung von Koalanisthöhlen tatkräftig mithelfen. Die Höhlen sollen in ca. 3 m Höhe an möglichst vielen Bäumen der Region platziert werden. Sollten sich tatsächlich wieder Koalas hier ansiedeln, wäre das eine Bereicherung für die Natur und die Menschen gleichermaßen.

Koalapionier Philipp Franz von Siebold (Quelle: Wikimedia - Valérie75)

Historische Zeichnungen des fränkischen Gartenkaolas (Quelle: Wikimedia - Soerfm)

Historische Zeichnungen des fränkischen Gartenkaolas (Quelle: Wikimedia - Fæ)

Eukalyptusplage von 1825 (Quelle: steutzger.biz)

Koalas bei der Gemüseernte (Quelle: Stadtarchiv Kitzingen)

Koalas bei der Weinlese (Quelle: Stadtarchiv Kitzingen)

Konzept

Unter dem Motto „Fun News“ statt „Fake News“ wird die fiktive Geschichte von der Existenz des fränkischen Gartenkoalas originell und witzig erzählt. In der Kombination von Idee und Installation entsteht ein publikumswirksames Gartenzeichen, das alle Altersgruppen anspricht und sich medial sehr gut vermarkten lässt.

Neben dem unmittelbaren Bezug zum Thema Historie der Gartenkultur werden auch die aktuellen Themen „Fake News“ und „Alternative Fakten“ auf ironische Weise thematisiert. Der Besucher wird so auf eine fantasievolle Art sensibilisiert und zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit den Medien angeregt.

Familie Trump beim traditionellen Ostereierschieben. (Quelle: Wikimedia)

Programm

An den Weiden am Stadtbalkon des Gartenschaugeländes Kitzingen werden exemplarische Beobachtungsplätze und Nisthöhlen errichtet. Eine Informationstafel in der Nähe informiert die Besucher über den Hintergrund der Aktion. Weiterführende Informationen werden via QR-Code als Webinhalte angeboten. Die Installation wird nachts aufmerksamkeitsstark beleuchtet und durch akustische Einspielung von Koalageräuschen abgerundet. Die Künstler sind im Rahmen einer Vernissage vor Ort und stehen für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Der Bau der Installation wird als Kunstaktion dokumentiert und medial verarbeitet.

Die Installation kann von Anfang Juni bis Ende August 2018 besucht werden. Am Freitag, 1. Juni ist die Eröffnung der Installation mit einer Vernissage ab 18 Uhr geplant.

Location: Stadtbalkon am Gartenschaugelände Kitzingen

Location: Stadtbalkon am Gartenschaugelände Kitzingen

Stadtbalkon auf Google Maps

Umsetzung

Als Koalanisthöhlen werden aus dem Naturmaterial Weide geflochten. Angelehnt an Kobeln, die kugelförmigen Nester von z.b. Eichhörnchen, werden die Nester mit Naturseilen in die Bäume gebunden. Die Herstellung der Nester erfolgt im Rahmen eines Workshops bei dem der Korbflechter Stefan Rippstein aus Sand am Main unsere fleißigen Helfer tatkräftig unterstützt.

Die Installation der Nester kann dann relativ simpel mit einer Leiter inkl. Absturzsicherung erfolgen. Aktuell sind ca. 8 Nisthöhlen in unterschiedlichen Größen (ca. 0,5-1m3) geplant. Die Montage ist sturmsicher und witterungsbeständig. Es besteht keine Gefahr für Besucher durch herabstürzende Teile. Jede Nisthöhle wird mit einer autarken, solarbetriebenen LED-Beleuchtung ausgestattet, die das Nest nachts von innen heraus beleuchtet. An einer zentralen Stelle wird eine dezente Soundquelle mit Koalageräuschen installiert. Die Installation muss für 3 Monate witterungsbeständig sein und autark funktionieren.

Eine auf Aludibond gedruckte Informationsstele wird in der Nähe der Bäume, z.b. am Geländer des Stadtbalkons, angebracht. Der Text auf der Stele erläutert kompakt das Projekt und dessen konzeptionellen Hintergrund. Es wird auf weiterführende Informationen auf einer Landingpage im Internet verwiesen.

Ideensammlung für die Umsetzung. Weitere Informationen folgen...

Inspiration Baumhäuser (Quelle: Wikimedia Commons - KarleHorn)

Korbflechter Stefan Rippstein

Naturmaterial Weide

Inspiration Flechtobjekte (Quelle: sarahjaynegardens.co.uk)

Inspiration Katzenkörbe (Quelle: amazon.de)

Inspiration Kunstobjekt beleuchtet (Quelle: arq4design.com)

Inspiration Lampenschirme (Quelle: privat)

Solarbeleuchtung (Quelle: Ikea.com)

Soundinstallation (Quelle: conrad.com)